Die Bedeutung rezeptiver Musiktherapie für die Alzheimer Behandlung

Musikverarbeitung bleibt von den neurodegenerativen Veränderungen der Alzheimer Erkrankung häufig verschont. Während Sprache und andere kognitive Fähigkeiten kontinuierlich abbauen, scheinen musikalische Fähigkeiten weitestgehend erhalten zu bleiben.
Musikhören kann auf unterschiedlichen Ebenen  wirken: Autobiographische Ereignisse bei Demenz Patienten sollen leichter erinnert, Aufmerksamkeitsprozesse, Gedächtnisleistungen, Sprachflüssigkeit verbessert werden. Vor allem Verhaltensauffälligkeiten wie  Umherwandern, Verwirrung, Erregung, Gereiztheit oder Aggression sind häufig auftretende Symptome bei Alzheimer Patienten. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen den positiven Einfluss rezeptiver Musiktherapie auf Demenz-Patienten. Musik kann beruhigen und entspannen, Unruhe und Agitationen mindern, Interaktionsfähigkeit und soziales Verhalten verbessern, Ängste, Depression oder Schmerzen lindern und Nachtschlaf fördern. Musik kann im Gegensatz dazu aber auch aktivieren und zu Bewegung animieren.
Der Musik werden ordnende, strukturierende Eigenschaften zugeschrieben, sie kann emotionalisierend und erinnerungsauslösend wirken, Gemeinschaftsleben und Interaktion fördern und kognitive Fähigkeiten stimulieren.  In Folge verbessern sich auch Autonomie und Selbstwert der Alzheimer Patienten.

Musikinterventionen in der Pflege von alten und dementen Menschen sind nichtinvasiv, nicht anstrengend und leicht in die tägliche Pflege einzubeziehen

Zahlreiche charakteristische Verhaltensauffälligkeiten können signifikant reduziert werden: Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass Musik eine Therapiemöglichkeit gegen das häufig auftretende Problem der Unterernährung bei Alzheimerpatienten sein kann. Inadäquate Kalorienaufnahme steht häufig in direktem Zusammenhang mit einer Stress- und Unruhefördernden Umgebung beim Essen. In Pflegeheimen wurden von Patienten mehr Kalorien zu sich genommen, wenn während der Mahlzeiten Hintergrundmusik gespielt wurde. Es wurde länger am Tisch verweilt, Mahlzeiten langsamer gegessen und dadurch auch mehr Nahrung aufgenommen. Zudem zeigte sich, dass Patienten sich allgemein sozialer verhielten und das Personal einen besseren Zugang zu den Patienten fand.
Bei anderen Untersuchungen zeigten sich entspannende Effekte von Musik beim Baden der Patienten. Aggressives Verhalten während der Prozedur des Badens konnte effektiv reduziert werden. Weitere Studien berichteten über eine Reduktion verbaler Agitation oder Agitation im Allgemeinen, während die Patienten Musik auf Band oder CD-Player hörten.
Musik in der Alzheimer Therapie verbessert positives soziales Verhalten, verringert negative Verhaltensweisen, und führt in erster Linie zu einem gesteigerten subjektiven Wohlbefinden und Freude. Patienten sind bedeutend weniger ängstlich und angespannt, wenn Musik gehört wird, Depressionswerte sinken signifikant.
Musik ist eng mit Hormonen verbunden, die Emotionen und menschliches Verhalten regeln. In vielen Studien konnte nachgewiesen werden, dass musikalische Stimulation unterschiedliche biochemische Substanzen beeinflusst - insbesondere Cortisol. Es wird angenommen, dass Stressreduktion durch das Hören von Musik der Abnahme des Cortisolspiegels zuzuschreiben ist – so kann Musikhören Stress lindern und auf Angst und Anspannung wirken.
Neuere Studien berichten Auswirkungen der Musiktherapie u.a. auf das Vorkommen des Hormons Testosteron, welches ebenfalls mit Alzheimer in Verbindung gebracht wird. Mit zunehmendem Alter und einem Abfall der kognitiven Leistungsfähigkeit geht auch ein Absinken des Testosteronspiegels einher. Durch eine Steigerung des Spiegels soll der charakteristischen Degeneration der Neurofibrillen entgegengewirkt werden. Es wird vermutet, dass Musik den Hormonhaushalt, ähnlich einer Hormonersatztherapie, beeinflussen kann.